Kapitel 4 - Die Ruhe vor dem Sturm

Heute will ich Euch mal mehr über meine Welt und meine Arbeit erzählen. Irgendwie geht hier nicht alles mit rechten Dingen zu.

Einiges, was passiert ist schlicht und einfach Magie. So habe ich eins der merkwürdigsten Berufe. Meine Aufgabe ist es, Waffen zu schmieden. Ich wusste anfangs zwar nicht, wofür wir in dieser friedlichen Welt Waffen brauchten, aber das sollte ich noch früh genug erfahren.

Mir wurde Kohle und Eisen angeliefert und ich schmiedete daraus Schwerter, Bögen und Speere. Das Merkwürdige war, sobald ich den Bogen oder die Speere auf den Boden gelegt hatte, wurden sie zu Holz. Ich habe das nie verstanden. Das einzige, was ich sehr wohl verstanden hatte, war, daß es besser war so... denn die Eisenbögen wären zu schwer gewesen und hätten sowieso nicht funktioniert. Ich habe mal meinen Freund den Priester gefragt, woher das kommt (man beachte, daß alle, die blau angezogen sind, meine Freunde sind). Doch er hatte zu viel Wein aus dem kleinen Tempel geklaut und war betrunken und murmelte was von Programm, RAM, Pixel. Als ich ihm sagte, daß er spinnt, meinte er nur: "In vino veritas", ging zur nächstgelegenen Weinberge und zauberte gerade mal "wunderbares Wachstum". Über den Priester werde ich Euch später mal mehr erzählen.

Doch habe ich Gerüchte über Legenden gehört, in denen es noch seltsamere Dinge geben soll. So soll es mal Eisenschmelzen gegeben haben, die kein Eisen produzieren konnten. Angeblich hat sich dann jeder Barren gleich in ein Schwein verwandelt, hahaha. Doch mein Nachbar in der Schmelze meinte, er habe das noch nie erlebt. Die Träger haben zu viel Zeit, um sowas blödes rumzuerzählen.

So habe ich also zufrieden Waffen hergestellt. Zumeist waren es Bögen, doch hin und wieder auch Speere und Schwerter. Nur zweimal musste ich eine längere Pause einlegen, weil ich keine Kohle hatte. Irgendwer soll vergessen haben, einen Brunnen zu bauen. Ich habe zwar nie verstanden, was es damit zu tun haben soll, aber die Träger, na, ihr wisst schon, die reden halt viel.

Und plötzlich war die friedliche Zeit vorbei. Doch das erzähle ich Euch das nächste Mal.

© 1999-2021 Astrid Keßler - http://treffpunkt.kess-net.de/

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