Kapitel 16 - Home Sweet Home

Ich ließ mich weiterhin vom Träger durch das Land führen. Ich fragte ihn, wohin wir denn diesmal gingen. Er antwortete: "Ich muß einen Eisenbarren an der Schmelze abholen. Die werde ich dann an eine Waffenschmiede liefern"

"Wir kommen an einer Waffenschmiede vorbei?", fragte ich ihn, "das ist ja klasse, dann kann ich ja endlich mal einen Kollegen besuchen. Denn das hab ich noch nie gemacht"

"Klar wirst Du dann einen Kollegen sehen. Aber erst müssen wir das Eisen abholen".

So gingen wir fröhlich weiter, bis wir endlich an der Schmelze ankamen. Ich fühlte mich schon hier fast wie zu Hause. Denn auch hier muß das Eisen richtig heiss gemacht werden. Die Hitze, die hier ausgestrahlt wird empfand ich richtig wohlig und bekam schon ein wenig Heimweh.

Der Schmelzer grüsste uns: "Na, wer kommt denn da? Wollt Ihr Eisen von mir haben?"

"Ja", meinte der Träger und schnappte sich schon einen Barren. Wir blieben nicht lange bei ihm, da er auch gleich wieder anfing weiterzuarbeiten. So machten wir uns also auf den Weg zum Waffenschmied.

Unterwegs hörten wir auf einmal wieder die Stimmen. Die eine sagte: "Die Amazonen sammeln ihre Soldaten. Sie werden sicher bald bei mir einmarschieren"

Die andere dazu: "Ok, ich schicke Dir gleich Verstärkung, rekrutiere so viele Soldaten wie Du kannst".

Die Amazonen? Ich hörte zum ersten Mal von ihnen. Auch der Träger konnte mir nichts über sie sagen. Ich dachte nicht weiter über sie nach.

Wir kamen schließlich an der Waffenschmiede an. Der Schmied musste wohl schon von mir gehört haben, denn er begrüßte mich beim Namen: "Hallo 12 of 5, ich wusste doch, irgendwann würdest Du auch hier vorbeischauen."

"Du weißt, wer ich bin?", fragte ich ihn.

"Ja, wer denn nicht? Es spricht sich rum, daß ein Schmied statt zu arbeiten alle anderen besucht und lauter Fragen stellt. Du bist anders als alle anderen und das gibt Gesprächsstoff."

Sein geschulter Blick fiel auf meinen Hammer und er musterte ihn lange, bis er schließlich fragte: "Kann ich mir den mal anschauen?"

"Klar", sagte ich und reichte ihm den Hammer.

Er war zutiefst beeindruckt und sagte: "Mensch, der ist ja viel besser als alle Hämmer, die hier je gebaut wurden. Es ist eine Schande, ihn unbenutzt zu lassen."

Ich wurde verlegen.

Er sprach weiter: "Du hast bestimmt mitgehört, was los ist. Die Amazonen werden einmarschieren. Wir können jede Waffe, die wir mehr herstellen, gebrauchen. Mit diesem Hammer kannst Du sogar viel rascher schmieden als wir."

"Ja", sagte ich, "Du hast recht. Ich sollte wieder meiner Aufgabe nachgehen und Waffen produzieren. Und ehrlich gesagt hab ich auch schon Heimweh."

Der Träger mischte sich ein: "Na dann kann ich Euch ja alleine lassen, denn ich habe wieder was anderes zu tun."

Ich verabschiedete mich von ihm: "Ja, mach´s gut, meine Schmiede ist auch ganz in der Nähe hier. Von nun an gehen wir wieder unsere eigenen Wege. Aber solltest Du mal wieder Barren oder Kohle zu Waffenschmieden tragen müssen, dann komm bei mir vorbei, ja?"

Er lachte und machte sich auf den Weg.

Ich sprach noch eine Weile mit meinem Kollegen, bis er mir endlich schweren Herzens meinen Hammer wieder gab. Dann machte ich mich auf den Weg "nach Hause". Es dauerte auch nicht lange, da war ich auch angekommen.

Das erste, was ich tat, war eine blaue Fahne aufs Dach anzubringen. Denn sonst bringen mir die Träger keine Kohle und kein Eisen.

Vorerst blieb mir nichts anderes übrig als zu warten und über all das Erlebte nachzudenken.

Das war das Ende meiner langen Reise, aber noch lange nicht das Ende meiner Erlebnisse.

© 1999-2021 Astrid Keßler - http://treffpunkt.kess-net.de/

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