Kapitel 15 - Essen fassen

Wir waren also Mit einem Sack Mehl auf dem Weg zum Bäcker. Er war etwas weiter weg, also hatten wir auch etwas mehr zu laufen, aber das war nicht so schlimm. Da konnte ich mir die Gegend anschauen.

Als wir den Bäcker aus der Ferne sehen konnten, sagte ich zum Träger: "Acha, Wasser hat er genug, er wartet nur noch auf das Mehl."

"Ja", meinte der Träger, "es herrscht im Moment Trägermangel, deswegen muss er halt viel warten."

Als wir beim Bäcker ankamen, meinte er: "Drinnen ist genug, bedient Euch".

Wir gingen hinein. Es roch so schön nach frischem Brot. Ich setzte mich an den Tisch und aß ein Stück, während der Träger seine Taschen mit Brot füllte.

Ja, ich weiß, Ihr seid jetzt etwas verwirrt. Es gibt Einiges, was Ihr noch nicht wisst. Meint Ihr wirklich, daß wir einen Sack Mehl für ein Laib Brot brauchen? Daß aus einem Schwein gerade mal eine Keule zu gewinnen ist? Nein, wahrlich nicht.

Die Träger haben noch unter der Kleidung einen recht großen Beutel, da wird Brot und Fleisch verstaut. Im Vorbeigehen werden die dann bei den einzelnen Häusern, also Wohnhäuser und bei den einzelnen anderen Produktionsgebäuden.

Was an die Wohnhäuser geliefert wird, bekommen die Träger, Planierer und die Bauarbeiter zu essen.

Das alles kriegt "die Stimme" natürlich nicht mit. Das wäre für die zu verwirrend gewesen. Die glauben auch, es gäbe keine Nacht in dieser Welt, aber das stimmt nicht.

Irgendwie scheinen sie die Nacht nicht mitzukriegen. Nachts gehen die Träger jedenfalls in die Wohnhäuser, um was zu essen und um sich auszuruhen. Deshalb dürfen diese auch nicht einfach so abgerissen werden. Wenn die Träger sich nicht ausruhen können, können sie einfach nicht arbeiten. Dann streiken sie. Das sollte man dann aber auch verstehen können.

Das mit den Bergwerken muß ich aber etwas genauer erklären. Die werden aus 2 Gründen offen beliefert. Zum Ersten kriegen sie immer einen bestimmten Anteil ab. Pro Sack Mehl immer ein Laib Brot. Egal, wie groß die gesamte Siedlung ist. Zum zweiten, damit die Stimme, die uns anscheinend kontrolliert, sich überhaupt um die Nahrungsproduktion kümmert. Denn wenn er nicht weiß, daß Nahrung gebraucht wird, dann würde er sich gar nicht drum kümmern.

Nachdem wir also gut gegessen hatten, stopfte ich mir auch die Taschen voll. Ja, warum denn nicht? Bin zwar kein Träger, aber essen kann ich genauso gut.

Der Träger sagte: "So, gibt einen neuen Auftrag, kommst Du mit?" Ich sagte: "Aber klar doch, Du kannst mir sicher noch vieles zeigen." Und so machten wir uns wieder auf den Weg. Wohin, das erfahrt Ihr das nächste Mal.

© 1999-2021 Astrid Keßler - http://treffpunkt.kess-net.de/

Alle Rechte vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung.