Kapitel 13 - Der Mühlstein

Also liefen wir mit unserem wetterfesten Saatgut zum Müller. Naja, ich lief nur mit. Ich hatte ja nichts getragen. Ich finde, mein Hammer ist schon schwer genug.

Die Mühle war eigentlich gar nicht weit weg. Man konnte schon vom Weizenbauern aus die Windräder sehen.

Als wir näher kamen grüßte uns der Müller. Sind die eigentlich alle so nett? Ich sagte zu ihm "Hallo Müller, wir haben Dir Korn für Deinen Stein mitgebracht".

Er lachte und meinte: "Ja das habt Ihr und eine ganze Menge Stroh, womit ich nichts anfangen kann".

Ich war doch etwas erstaunt über die Antwort und sagte: "Ähm, Stroh? Das ist halt Weizen."

"Jaja", sagte er, "aber eigentlich sollte das alles anders ablaufen. Normalerweise müssten die Bauern selbst erst mal ihren Korn vom Heu trennen. Das können sie dann den Eseln geben. Den Korn bringen sie dann her und lassen ihn mahlen."

"Acha, und warum ist das hier nicht so?", wollte ich wissen.

Er wusste auch keine Antwort: "Keine Ahnung, es ist hier nun mal so. Und ich will mich auch gar nicht beschweren, denn auch in meiner Hütte ist nicht alles normal. Habt Ihr jemals gesehen, daß mir Steine geliefert wurden? Mein Mühlstein nutzt nie ab. Ich kann mahlen und mahlen, ohne mühsam den Mühlstein wechseln zu müssen. Das ist doch was, oder?"

"Ja, das ist allerhand", erwiderte ich erstaunt, da stubste mich der Träger sachte an: "Du, hör mal, er hat im Moment nichts zu tun, mit ihm könnte man sich ewig unterhalten".

"Wieso denn? Wir haben ihm doch gerade Weizen gebracht."

"Ja, klar", sagte er dazu, "aber da stehen schon acht Säcke Mehl. Mehr macht er nicht. Wenn wir jetzt einen mitnehmen, dann fängt er erst an zu arbeiten."

Der Müller lachte: "Ja, richtig, wir haben einfach zu wenige Bäcker, es ist hier immer so voll. Also macht´s gut, Freunde, vielleicht sieht man sich mal wieder".

Der Träger nahm einen Sack Mehl und der Müller machte sich wieder an die Arbeit. Und so machten wir uns auf den Weg zum Bäcker.

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